Bildungsrepublik Bantustan

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Deutscher Schulzwang behindert Fortschritt -

Gibt man heute in Amerika stolz zu, seine Kinder nicht zur Schule zu schicken, hätte mancher dies früher zu verheimlichen versucht. Doch inzwischen ist in den USA Hausunterricht als Plan B zur staatlichen Pauke fest etabliert – zum Wohle aller.

Schulzwang ist das Mittel der Wahl für nachschrittliche Bildungsdiktaturen.

Als Bananenrepublik in Bildungsfragen mag Deutschland deswegen zwar nicht gelten. Doch gemessen an Freiheit und Fortschrittlichkeit der Bildungssysteme könnte ein afrikanischer Bantustan uns näher liegen als kulturell verwandtere Länder. Angesichts wachsenden Zuspruchs für den außerschulischen Bildungserwerb – aber auch der positiven Folgen hiervon – entlarvt unsere “Bildungsrepublik” sich als muffige Provinz.

Aber nicht schlechte PISA-Ergebnise sind schuld daran, daß in deutschen Landen großes Bildungspotential verschleudert werden – das schlechte Abschneiden ist eher eine Folge. Vielmehr verhindert fehlende Flexibilität gegenüber dem, was die Betroffenen selber wollen, nachhaltigen Bildungserwerb – und dadurch den Fortschritt. Doch dort, wo Eltern die Freiheit besitzen, sich für die Bildung zu entscheiden, die sie für ihre Sprößlinge als am förderlichsten erachten, eröffnet das neue Perspektiven.

Anfang des Jahres erschien ein Artikel im amerikanischen Mainstream-Nachrichtenmagazin “Newsweek”, der das wachsende Interesse an Hausunterricht unter die Lupe nahm: “Warum gebildete Stadt-Eltern sich der Selbermachen-Bildung zuwenden”. Das Vorreiterblatt für den deutschen SPIEGEL läßt Bildungsbeobachter zu Wort kommen, die einen Wandel auf der ganzen Linie feststellen: Gerade in den Städten der USA gibt es um die 300.00 Kinder, die zuhause unterrichtet werden, allein in New York Stadt hat die Hausunterricht-Bevölkerung in den letzten acht Jahren um 36 Prozent zugenommen.

Diese Eltern, gutsituierte, gebildete Leistungsträger, wollen die Erziehung ihrer Kinder nicht länger anderen überlassen. Ihr Hauptmotiv, so die Wochenzeitschrift, ist es, so lange wie möglich “eine bestimmte Vorstellung von Familie zu pflegen”. Individualisiertes Lernen in Freiheit gilt ihnen als salonfähige Alternative zur institutionalisierten Variante.

Qualität wird erkannt – und setzt sich durch

“Heute ist Hausunterricht eine glaubwürdige, gangbare Bildungsentscheidung, die den Respekt, sogar die Hochachtung außenstehender Erzieher und Bildungsfachleute erwirbt”, bestätigt auch das “CAROLINA JOURNAL ONLINE” in einem Artikel Mitte Mai. Vorbei das Klischee, nur hinterwäldlerische Weltverbesserer mit Kompatibilitätsproblemen zur Moderne verzichteten auf Schule. Eltern, die ihre Kinder zuhause unterrichten, stellen durchaus vernünftige Überlegungen an, wie sie ihr Kind bestmöglich aufwachsen lassen.

Weder laute Hurra-Rufe von interessierter Seite noch durch Lobbyarbeit erreichte Quotenregelungen verschaffen Hausschülern in den USA einen Zugang zu höherer Bildung. Das geht allein auf die Einschätzung der besten Fachhochschulen und Universitäten des Landes zurück. Bei der Begutachtung ihrer jährlichen Neuzugänge geben sie immer häufiger Hausschülern den Vorzug vor konventionell beschulten. Dortige Unis können es sich einfach nicht leisten, gute Leistungen unter den Tisch fallen zu lassen. Daß sie in zuhause Beschulten großes Potential erkennen, hat sicherlich seinen Grund.

Wirkt doch die Lehr- und Lernumgebung in Haus”schulen” sich förderlich auf das einzelne Kind aus. Hier zitiert das “CAROLINA JOURNAL” eine beispielhaft erfolgreiche, zu Hause unterrichtete Uni-Absolventin, die ihren Eltern dafür dankt, ihr eine “lebenslange Freude am Lernen” vermittelt zu haben. Derartige Bekenntnisse wiegen mehr als die gebetsmühlenartig wiederholten Drohungen unserer Bildungspolitiker, nur “lebenslanges Lernen” würde für die Zukunft befähigen.

Wie sollen Schüler für “lebenslanges Lernen” begeistert werden, wenn zwanghafter Schuldruck ihnen jede Freude am Lernen vergällt? Zweifel daran, daß staatliche Schulen die erforderliche Befähigung ihrer Abgänger zu selbständigem Lernen hervorbringen, hegt auch ein Wirtschaftsprofessor am “Valencia College” in Florida. Aus dem Blickwinkel des Insiders stellte er letzten Monat im “Orlando Sentinel” die provokante Frage: “Ist es nicht Zeit darüber nachzudenken, Ihr Kind zuhause zu unterrichten?”

Können öffentliche Schulen Kinder ruinieren?

Der Verfasser geht von seinen handfesten Lehrerfahrungen aus über zwei Jahrzehnten aus. In der Zeit betreute er 14.000 Studenten und gelangt zu dem Ergebnis: “Holen Sie Ihre Kinder aus den öffentlichen Schulen hier in Florida heraus, bevor Sie ihr Leben ruinieren!” Zwar läßt sich die dortige Schulsituation nicht eins-zu-eins auf deutsche Verhältnisse übertragen. Tatsache ist jedoch, daß die Möglichkeit einer Alternative viele amerikanische Eltern dazu beflügelt, die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen.

Daß es dabei nicht nur um akademische Bestleistungen geht – diese scheinen eher ein erfreulicher Begleiter von Hausunterricht zu sein – stellte die renommierte Internetzeitung “Huffington Post” Anfang Juni heraus: Der Übergang von der Schule an Fachhochschule oder Universität mag für einen jungen Menschen eine große Umstellung mit sich bringen. Doch zuhause unterrichtete Schüler scheinen dies besser verkraften zu können, als man gewöhnlich annimmt. Denn unkonventionelle Beschulung bringt junge Erwachsene hervor, die selbständiger und darum besser aufs Unileben vorbereitet sind. Nicht nur erzielten Hausschüler vergleichsweise bessere Abschlüsse – hier verweist der Artikel auf eine Studie, die Absolventen einer bestimmten Universität in den Jahren 2004 – 2009 vergleicht. Sie seien besser sozialisiert als die meisten Schulabgänger.

“Das mag zunächst widersprüchlich klingen, da sie sich nicht Tag für Tag inmitten dutzender oder hunderter anderer Kinder bewähren müssen. Aber genau das ist der Grund, warum sie besser sozialisiert sind.” Zuhause unterrichtete Schüler würden weniger Zeit in Klassenzimmern verbringen, was ihnen mehr Gelegenheit verschaffe, hinaus in die Welt zu gehen und mit Erwachsenen und Jugendlichern gleichermaßen zu interagieren, so die “Huff Post”.

Während also argumentative Vorbehalte gegenüber Hausunterricht meist völlig theoretisch daherkommen, warten seine Befürworter mit konkreten Beispielen aus der gelebten Realität auf. Diese werden – zumindest in den USA – von der veröffentlichten Meinung nicht länger ignoriert. Positive Beispiele gibt es auch in Deutschland. Doch noch wird gemauert, die Zeit scheint noch nicht reif zu sein …

2 Kommentar(e) für “Bildungsrepublik Bantustan

  1. Tim
    9. Juli 2012 at 05:45

    Enjoyed reading the article. I also went to the link on the Huffpost (which, I usally don’t read) and went through the article and comments. It was very interesting to see all of the Homeschoolers and how they are taking a stand against ‘public indoctrination’ and supposed better socialization. …

  2. Ernst Schrödl
    4. Juli 2012 at 18:08

    Ich freue mich, daß viele Bundesländer heute schon über ein besseres
    Schulsystem verfügen als Uganda, Ruanda und Burundi. Ich glaube,
    Deutschland wird auch in Sachen Bildung (einmal) modern werden. Da bin
    ich optimistisch. Ob die Moderne allerdings zu einem Zeitpunkt Einzug
    halten wird, wenn sie von anderen bereits schon wieder als prähistorisch
    klassifiziert wird, vermag ich nicht zu sagen. Ich wünsche jedenfalls
    Archaistan (abgeleitet von archaisch) viel Erfolg.

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