Es geht um Freiheit, was sonst?

Als im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 1992 die Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten auf Nebenkriegsschauplätzen festgefahren war, riß der Kandidat Bill Clinton das Ruder herum mit dem Satz: „It’s the economy, stupid.“ – „Es geht um die Wirtschaft, Trottel!“

Absolute Schulpflicht steht grundlegenden Freiheits- und Abwehrrechten entgegen – trotzdem wird sie regelmäßig von unserer Justiz bevorzugt.

Worum geht es bei uns? Jede Auseinandersetzung in deutschen Landen, die Hausunterricht zum Inhalt hat, entscheiden unsere Richter – gegen die Eltern und für den Staat – aufgrund seelenloser Paragraphen. Dann heißt es: „Auch wenn die Eltern mit bestem Wissen und Gewissen für das Kindeswohl handeln, die Gesetzeslage ist eindeutig.“  Nie dringt irgend etwas anderes durch: Weder das, was den Eltern auf den Nägeln brennt, noch das, was den Kindern, geschweige denn der Familie guttut; niemals kommen die Freiheits- und Abwehrrechte des Bürgers gegen einen überbordenden Staat zur Sprache.

In der Verfassung klafft eine Lücke

Dabei ist gerade die Justiz ausdrücklich an diese Rechte gebunden. Doch das höchste der – grundgesetzlichen – Gefühle seitens deutscher Richter ist ein phantastischer „staatlicher Bildungs- und Erziehungsauftrag“. Der, angeblich vom „Verfassungsgeber“ erteilt, sei unantastbares „Recht“ des Staates. Jetzt kommt es nur noch darauf an: Pflicht erfüllt – ja oder nein.

Doch in den Schulgesetzen steht kein Sterbenswort davon, daß Kinder nicht zuhause all die Dinge lernen dürften, für die unser Schulsystem sich als unentbehrlich brüstet – und deswegen kein Kind in seinen Gebäuden entbehren will. Der Gesetzgeber ist nie auf den Gedanken gekommen, Eltern könnten jemals die Bildung – und Erziehung – ihrer Kinder in die eigenen Hände nehmen. Darum hat er Hausunterricht auch nicht geregelt. Aber darf man deswegen davon reden, er sei verboten?

Das Grundgesetz spricht sich weder für noch gegen eine Schulpflicht aus. Alles, was dort über ein „Wächteramt“ des Staates in Schulsachen hinausgeht, überließ man den Ländern. Möglicherweise haben wir es diesem Offenhalten zu verdanken, daß Kultusapparatschiks und Juristen so tun können, als hätten die Bundesländer alles bestens entschieden: „… die Gesetzeslage ist eindeutig.“ Doch sie irren sich. Rechtsgelehrte wissen, in unserer Verfassung klafft hier eine Lücke! Mit einer beherzten Entscheidung für die Freiheit kann sie geschlossen werden.

Kritik am Bildungsmonopol – ein ungeheurer Affront

Pflichten hat nur der Bürger – so will es der Staat. Kinder nicht zur Schule zu schicken, gilt als Regelverstoß, in der Nähe von nächtlicher Ruhestörung oder einer Übertretung der Höchstgeschwindigkeit. Wer hier säumt, den nehmen deutsche Richter mit einem Bußgeld in die Pflicht. Ganz so, wie Schulbeamte das regelmäßig und unnachgiebig fordern. Schließlich ist sie deren Elixier des Lebens: unser aller Schulpflicht.

Freie Entscheidung für die Lehr- und Lernumgebung – wo der Staat das bekämpft, beginnt die Bildungsdiktatur.

In Wirklichkeit ist die so harmlos klingende „Ordnungswidrigkeit“ zuhause unterrichtender Eltern ein ungeheurer Affront. Hausunterricht empfindet der Staat – zu recht – als herbe Kritik an seinem Bildungsmonopol. Lernen in Freiheit erinnert ihn peinlich daran, daß er nicht Selbstzweck und seine Bürger nicht Menschenvieh sind – sondern mit eigener Würde ausgestattete Träger von Rechten. Rechte, die sie auch haben, wenn es den Staat nicht gäbe.

Solange niemand auf die Idee kommt, daß Bildung Freiheit braucht, bleibt alles beim alten: bürgerliche Pflichterfüllung als Staatsgebot wird verabsolutiert, jede Alternative zum staatlichen Schulmonopol kriminalisiert. Man braucht nur die Motive der Hausunterrichter als abwegig, Schulpflicht hingegen zum systemerhaltenden Faktor zu stilisieren – schon wird es keinem „aufrechten Deutschen“ einfallen, sich für ein Recht auf Bildungsfreiheit einzusetzen.

Staat befiehl, wir folgen

Doch erfüllt denn der Staat seine Pflicht? Antwort: Ab der Schulpflicht nicht! Kinder sind nur noch Verfügungsmasse in den Händen eines Apparates, der sich einen dramatischen Gesellschafts­umbau auf die Fahnen geschrieben hat – Indoktrinierung der Kleinen und der Großen inklusive. Bildung und Erziehung, wo sie nicht ins Bild passen, werden im wahren Wortsinn entsorgt – damit das Monopol nicht ins Wanken gerät.

Entrechtung der Eltern und brutale kindliche Drangsalierung sind noch nicht genug ins öffentliche Bewußtsein gedrungen – obwohl sie täglich in unserem Schulsystem stattfinden. Staatliches Verfügen an einer Kreuzberger Grundschule läßt sich auf die Bildungsdiktatur im ganzen Land übertragen. Lenau ist überall. Was heute in Berlin Aufsehen erregt, ist in der Restrepublik längst installiert: Staat befiehl – wir müssen folgen! Worum es geht? Letztlich um die Freiheit – eines jeden.

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