Blankoscheck für Kinderversuche

Den Staat über das Liebste verfügen lassen?

Die sogenannte “Eurokrise” hat es geschafft. Mit abstrusen “Rettungsschirmen” rückt der Schulden-GAU des Deutschen liebstes Kind ins Blickfeld: Sein Portemonnaie. Über dieses, bitteschön, will ich selber verfügen! Was die wirklichen Kinder betrifft, wird die Schule das schon richten …

Die Schulden der Welt nicht zahlen zu wollen, kann gerade dadurch motiviert sein, daß man an Kinder und Kindeskinder denkt – ein nobler Blick. Doch meist ist es reiner Materialismus – auch verständlich, bei dem harten Arbeitsleben. Ihre Untertanen zu bewegen, die eigene Brieftasche auszuhändigen, bereitet unseren politischen Oberen etwas Not. Hochkarätige Kritiker haben schon Bedenken angemeldet. Ohne Einspruch wird es also kaum klappen – kaum erstaunlich.

Kollateralschäden staatlicher Bildung

Viel leichter hat die Politik es hingegen mit den “echten” Kindern der Deutschen – und derer, die hier leben. Die liefert man noch für jedes pädagogische, staatspolitische oder ideologische Experiment widerstandslos aus. Die – immer unsicherer werdende – Aussicht auf einen Türöffner in die Berufswelt macht’s möglich.

Der Zwang, über die eigenen Kinder verfügen zu lassen – gegen so etwas macht keiner spürbar Front. Fällt das Kind dann in den sprichwörtlichen Brunnen, ist der Jammer zwar groß. Gleich­schaltungsdruck, Mobbing, Lernverdruß, psychisches Chaos, moralische Haltlosigkeit, Suff ohne Ende: Endstation im schönen Hartz, Haus Nummer 4? Muß nicht sein, kann aber sehr wohl. Dennoch: hierzulande nehmen wir die Kollateralschäden des staatlichen Bildungsmonopols hin – die einen mit zusammengepreßten Lippen, andere mit in der Hosentasche geballter Faust. Staat ist Staat und – Gesetz Gesetz. “Da kann man nichts machen.” Schule, die Unantastbare.

Unsichtbare Kosten des Schulzwangs

Die Kosten des Zwangsschulsystems sind für den einzelnen, für betroffene Kinder und Familien nicht gleich sichtbar. Schmerz über wiederholtes Bloßgestelltwerden vor der Klasse, Wut auf die Abzieher auf dem Nachhauseweg, Frust über sinnlos vergeudete Absitzzeit, Minderwertigkeit wegen der verpatzten Klassenarbeit: Das fächert sich über mindestens zehn Jahre auf.

Das sind zunächst und vor allem immaterielle Schäden. Sie verlieren sich über die Tage, Wochen und Monate. So gewöhnt man sich an den Preis, der irgendwie unausweichlich entrichtet werden muß. Und: Ritalin zahlt “die Kasse”, die Sitzungen beim Psychiater ohnehin, dazu hat mich ja die Klassenlehrerin verdonnert.

Die Angst vorm Frei-Sein

Ein Vogel, der in einem Käfig geboren wurde, weiß gar nicht, wie das Leben in Freiheit aussieht. Würde ihm jemand davon erzählen, er hielte ihn für einen Spinner – oder gesetzeswidrigen Träumer. So verhält es sich bei uns mit Schulzwang und Bildungsfreiheit.

Wir Deutschen haben eine ausgeprägte Tradition, von der Freiheit, die wir uns nehmen könnten, zurückzuschrecken. Zu viel Freiheit macht uns Angst! Viel lieber lassen wir den Staat “machen”. Erst recht, wenn die Verknüpfung zwischen staatlichem Machen und seinen Folgeschäden unscharf, verkleistert ist. Doch bei Geldfragen blitzt er kurz auf, dieser Zusammenhang. Bei materiellen Dingen funktioniert der Reflex: “Halt! Hier ist die rote Linie, die wird nicht überschritten.”

Ob nun Materielles oder Immaterielles: Nach Aufschrei und kurzatmigem Aufbegehren folgt stets wieder das Zurücksinken in des Polsters Behaglichkeit: “So schlimm wird es schon nicht werden. Der Staat wird’s schon richten.” Die Politik weiß, daß uns Deutschen – wenn alle Stricke reißen – Sicherheit vor Freiheit geht. Darum wird auch der frechste Griff “demokratisch legitimierter” Langfinger zum Erfolg führen. So, wie sie unsere Kinder seit über sieben Jahrzehnten fest im Griff haben – zumindest in schulgebäudemäßiger Hinsicht.

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