Guter Mensch von Berlin

Fernsten- und Nächstenliebe eines „christlichen“ Politikers –

Volker Kauder ist ein guter Mensch. Der CDU-Mann setzt sich ein. Er gebraucht seinen politischen Einfluß, um der Kritik an einer weltweiten humanitären Katastrophe deutsche Stimme zu verleihen: Kauder macht sich stark für verfolgte Christen – weltweit.

Ob Iran, Nordkorea oder die Malediven  – Ämter und Justiz in jenen Ländern unterdrücken hart, wer sich die Freiheit nimmt, religiösem Zwang innerlich Adé zu sagen – und Taten folgen läßt. Darum verfügen sie – oft grausamste – Strafen. Doch Kauder ist da: „Ich fühle mit dem Schicksal meiner Brüder und Schwestern im Glauben mit, als wäre ich selber  betroffen“. Das ehrt ihn. Das legt ein Herz nahe, das schlägt. Ein mitfühlendes Herz für die, die wegen seelischer Dinge schlimmes Ungemach leiden.

Zurück nach Deutschland. Unterdrückung von Bildungsfreiheit ist hier bittere Realität. Bitter für Eltern, denen bewußt ist, wie wertvoll Kinder sind. Die wissen, daß Kinder Schaden nehmen, wenn sie zur falschen Zeit in falsche Hände geraten, die sie mit falschen Dingen konfrontieren und sie zu falschen Handlungen zwingen. Darum stellen diese Leute sich quer. Nicht jeder sieht das so. Aber manche Eltern mancher Kinder.

Einige von ihnen sind Christen. Andere anderes. Gemeinsam ist ihnen, daß sie dem staatlichen Bildungsmonopol den Rücken kehren, und die Kinder zu Hause unterrichten. Sie wollen sich nicht beugen lassen, Bildungsfreiheit ist ihnen so wichtig wie die Luft zum Atmen. Doch der Staat läßt Taten folgen: Zwangsgelder, Gefängnis, „die Kinder gehören mir“-Urteile, Sorgerecht weg, Familie kaputt – Staatswohl muß sein, Gesetz ist Gesetz.

Wieder Iran: Einer soll hängen, weil er den Gott der Bibel dem des Koran vorzieht. Das Religionsgesetz ist kalt, aber klar: Ein Menschenleben muß vernichtet werden, wenn es nicht ins Selbstverständnis des Staates paßt. Doch auch Kauder ist da. Der Mann kommt frei, muß freigelassen werden. Wunderbar. Das unerschütterlich scheinende Staatsmonopol auf die richtige Religion: so ehern ist es dann doch nicht. Aber nur, weil die Oberen sich beeindrucken lassen von dem Einsatz für die Menschenrechte.

Zur selben Zeit kommt irgendwo in Deutschland ein Brief aus Berlin an. Jemand hatte Kauder geschrieben: Christen in Deutschland – Schulpflicht – Glaube und Gewissen – bitte helfen! Volker Kauder ist ein guter Mensch. Bestimmt weiß er Rat. Doch was schreibt er? „Die allgemeine Schulpflicht dient als geeignetes und erforderliches Instrument dem legitimen Ziel der Durchsetzung des staatlichen Erziehungsauftrages.“ Kein Wort davon, daß durchgesetzt wird um den Preis der Kinder und der Familie. Für Kauder ist Schulzwang „ein hohes Gut“.

Er ist Stellvertreter. Er vertritt eine Gesinnung, eine Herrschaftsweise. Für die Macht macht es sich gut, Herz zu zeigen, nicht immer nur kalte Gesetze. Herz für Verfolgte. Die sind fern. Fernstenliebe macht Finger nicht schmutzig, ist leicht, kommt immer an. Für Probleme mit dem Nächsten im eigenen Land braucht es kein Herz. Dafür gibt es Gesetze, die das regeln.

Kauder setzt sich ein. In der Welt für das Wohl des Menschen. In Deutschland für das Wohl des Staates. Was ist die Folge? Zweierlei Maß: Der eine kommt frei. Den anderen darf man ruhig hängen (lassen). Guter Kauder? Aber so ist Berlin.

1 comment for “Guter Mensch von Berlin

  1. 22. September 2012 at 10:23

    Auf das Schreiben von Herrn Kauder habe ich heute nachfolgenden offenen Brief an ihn verfasst:

    Sehr geehrter Herr Kauder,

    ich beziehe mich auf einen Brief, den Sie am 19.9.2012 an einen Aktivisten aus der Homeschoolbewegung als Antwort auf dessen E-Mail geschrieben haben. Ein ähnlich lautender Brief von Ihnen ging schon einmal an Herrn Stücher, den Leiter der Philadelphia Schule in Siegen.
    Sie beziehen zwar erfreulicherweise klar Stellung, wenn Christen in anderen Ländern Verfolgung erleiden, und nennen dies auch beim Namen. Dies ehrt Sie. Nur – diese Fälle von Verfolgung sind meist weit weg von Deutschland. Wenn es um das eigene Land, man könnte auch sagen, wenn es um das Zeigen echter Nächstenliebe geht, schieben Sie plötzlich schnell die Gerichte und die deutsche Gesetzgebung vor.
    hier weiter lesen …

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