Hausschüler als Literat

Erfolgsautor wurde zuhause unterrichtet –

Mit „Die Seltsamen“ gelang dem damals sechzehnjährigen Stefan Bachmann 2009 der Durchbruch. Der in den USA und der Schweiz aufgewachsene Jungautor bekennt sich öffentlich dazu, nie in einer Schule gewesen zu sein.

Der „griffige Fantasyroman“ (FAZ), Bachmanns viertes Buch, erscheint fünf Jahre nach seiner Erstveröffentlichung jetzt auf deutsch – im Züricher Diogenes Verlag. Zur literarischen Kategorie des „Steampunk“ zählend, bietet das Buch, so die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, gar Anklänge an die garstige Nebenwelt, in der sich Joanne Rowlings Zauberlehrling tummelt.

Unersprießliche Phantasiewelten sind gewiß nicht jedermanns Sache. Interessant wird es jedoch, wenn FAZ-Feuilletonistin Anja Hirsch auf Bachmanns Hintergrund eingeht:

Seitdem Stefan Bachmanns Roman, den er auf Englisch schrieb, in Amerika erfolgreich ist, hat man sich vor allem für die Geschichte hinter dem Buch interessiert. Sie ist tatsächlich ungewöhnlich: Bachmanns Mutter, eine Amerikanerin, hat den 1993 in Colorado geborenen Stefan wie seine vier Geschwister in Zürich selbst unterrichtet. Nicht in einem Schulzimmer, wie Bachmann im Schweizer Fernsehen erzählte: Sie ging von Kind zu Kind, von Schreibtisch zu Schreibtisch.

Ahndung von „Gesinnungsfrevel“ durch willige Vollstrecker

Diese Art der ‚Beschulung‘ außerhalb eines staatlich genehmigten Schulgebäudes ahnden deutsche Gericht als Ordnungswidrigkeit, je nach Bundesland auch als Straftat. Dahinter steht die deutsche politische Kultusbürokratie. Doch nicht nur sie. Hausunterricht scheint für unsere Funktionseliten den parallelgesetzlichen Straftatbestand des „Gesinnungsfrevels“ zu erfüllen: Nur so lassen sich höchstrichterliche Urteile erklären, die Homeschooling als „Mißbrauch elterlicher Sorge“ brandmarken – und zur Verfolgung freigeben. Hierbei erweisen Jugendämter und Familiengerichte sich immer wieder als allzu willige Vollstrecker.

Der mutmaßliche „Schaden“, den ein Nicht-Besuch unserer Schulen an Mensch, Staat und Gesellschaft anrichten soll, läßt sich bei Stefan Bachmann schwerlich feststellen. Vielmehr entkräftet die Zeitung im Beitrag über den Jungliteraten das genauso beliebte wie unbedarfte Vorurteil, Hausschülern würde Wesentliches fehlen:

Geschadet hat diese Art des Hausunterrichts offenbar nicht. Das Selbstbewusstsein, das man fürs Entwerfen und Ausformulieren einer ganzen Welt braucht, ist jedenfalls da. Ebenso Bescheidenheit.

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