Widerstand gegen den totalen Staat

Hausunterrichter werden hierzulande von Schulzwangverfechtern wie Kinderschänder betrachtet. Doch wer seine Kinder zu Hause unterrichtet, tut nicht nur diesen einen Dienst, sondern schützt auch die Gesellschaft vor Totalisierungstendenzen. English version

Hausunterrichter werden hierzulande wie Kinderschänder bestraft. Das scheint der Preis für den Kampf gegen schleichenden Totalitarismus zu sein.

Ich bin kein Homeschool-Aktivist. Alle meine Kinder haben öffentliche Schulen besucht. Hausunterricht war für mich immer ein sehr entferntes Randphänomen, keine Möglichkeit, die ich damals ernstlich erwogen hätte. Mit den Jahren habe ich einige Homeschool-Familien kennengelernt, bin ihrem Anliegen mit einigem Wohlwollen begegnet, aber immer noch habe ich der Sache keine größere Aufmerksamkeit entgegengebracht.

Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich verstanden habe, welch wichtiges Korrektiv die Familien für unsere Gesellschaft sind, die ihre Kinder zu Hause unterrichten. Um das zu begreifen, reicht es nicht aus, die Homeschool-Bewegung als isoliertes Phänomen, als einen besonderen Bildungsweg zu sehen. Man muß den größeren Zusammenhang erfassen, in den die Kriminalisierung des Hausunterrichts — und auch der Widerstand dagegen — gehört.

Anspruch des Staates, die Kinder zu bilden (und erziehen)

Die Vergesellschaftung der Bildung ist nur ein kleines Rad im Getriebe von Bestrebungen, die viel weiter reichen: Insgesamt geht es um die umfassende Entmachtung der Familie, wobei der Anspruch des Staates auf Bildung (und Erziehung) der Kinder nur ein Teil des Ganzen ist. Um dies zu erklären, muß ich etwas weiter ausholen:

Unser modernes Gesellschaftbild bewegt sich zwischen den drei Orientierungspunkten Gott, Staat und Individuum. Das biblische Menschenbild hingegen betont viel stärker eine weitere Gesellschaftsebene: Das Haus, den Oikos, die familiäre Verantwortungs- und Lebensgemeinschaft, in der unterschiedliche Begabungen und Verantwortungen einander ergänzen, helfen und ausgleichen. Im Idealfall geben schwach und stark, mündig und unmündig, erfahren und unerfahren im Oikos als einem Solidarverbund ein fruchtbares, funktionierendes Ganzes ab.

Die meisten Gesellschaftsformen der letzten Jahrtausende respektierten den Oikos als selbständige Einheit, in der — im Vergleich zu unseren Tagen — außerordentlich viele Kompetenzen gebündelt waren. In vormodernen Gesellschaften, auch in den Gesellschaftsbildern, die wir in der Bibel finden, war der Großteil der Verantwortung nicht beim Staat, sondern in der Familie konzentriert.

Aushöhlung des einzig zuverlässigen Gegengewichts zum Staat

Die wesentlichen Lebensentscheidungen wurden im Oikos getroffen und auch die gegenseitige Fürsorge war fast ausschließlich Familienangelegenheit. Das Gros der Angelegenheiten, die für den Einzelnen wichtig waren, spielte sich auf der Familienebene ab. Die griechische Antike kannte sogar Zeiten, wo Rechtsfälle des Oikos nicht vor einem Gericht der Polis, also des Staates, verhandelt werden durften.

In jeder Gesellschaft müssen die drei Zivilebenen Individuum, Oikos und Staat ihre Kompetenzen gegeneinander abgrenzen und zu einem Gleichgewicht finden. In der modernen Gesellschaft stehen sich jedoch nur noch Staat und Individuum gegenüber. Wir sind heute von der Eigenständigkeit der Familie so weit entfernt wie noch nie in einer Staatsform der Menschheitsgeschichte:

Der Oikos ist nach und nach aller Aufgaben und Kompetenzen beraubt und bis zur Bedeutungslosigkeit ausgehöhlt worden. Schrittweise Änderungen der Rechtsordnung haben die faktische Bedeutung der Familienebene immer mehr geschwächt und ihrer Vitalität beraubt. Besonders seit dem ersten Weltkrieg schreitet der Bedeutungsverlust der Familie immer schneller voran.

Fortsetzung: „Starke Familie: Schreckensbild jedes Diktators“

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