Konkurrenzlos versagt das Monopol

Schule macht nicht fit für den Beruf –

Nach Etikettierungen junger Menschen in diesem Land als „Generation Golf“ und dann als „Generation Praktikum“ gibt es eine neue Bezeichnung. Sie bringt das Versagen des Staatsschulsystems peinlich auf den Punkt: „Generation abgehängt“.

Anfang des Monats erregte eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes Aufsehen, die die beruflichen Chancen junger Erwachsener unter die Lupe nahm. Der niederschmetternde Befund:  2,2 Millionen der 20- bis 34-jährigen gehören zu den Ungelernten – das sind fünfzehn Prozent jener Altersgruppe. Entsprechend schlecht sind deren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Für das Berufsleben gelten Regeln des Wettbewerbs: Lernfähigkeit und Können zählt, auf Leistung kommt es an, Anstrengung lohnt sich, und – Konkurrenz belebt das Geschäft.

Nicht so im Wolkenkuckucksheim Schule: Neun bis zwölf Jahre gehen dort ins Land, bis ein junger Mensch seiner Schulpflicht entwachsen ist – Zeit genug, um ihn auf ein Leben danach vorzubereiten. Für zu viele Abgänger in Deutschland endet diese Phase jedoch, ohne an der Anstalt etwas Nützliches, etwas für ihre Zukunft Verwertbares erworben zu haben: Wissen, Kenntnisse, Fähigkeiten. Oder auch die bloße Bereitschaft, sich nötigenfalls anzustrengen.

Als Folge erlernen anderthalb Millionen Menschen zwischen 20 und 29 keinen Beruf. Für die Betroffenen ist das bitter. Ihnen „droht ein Leben in prekären Verhältnissen“ (DGB-Studie). Berufseinsteiger in unserem Land, die keine ordentliche Lehrstelle erhalten, können zwar noch Park- und Warteschleifen in staatsschulischen Auffanglagern drehen. Doch irgendwann ist auch das vorbei und der Eintritt in die Hartz IV-Welt unausweichlich.

In den vielen Jahren, da diese Menschen die Schulbank drücken müssen, lernen sie nicht, sich für einen Platz an der Werkbank zu qualifizieren – oder es dort auszuhalten. Für ein Land, das darauf angewiesen ist, konkurrenzfähige Produkte zu erstellen, ist das lebensgefährlich. Für ein Schulsystem, das sich mit Staatsgewalt jede Konkurrenz vom Halse hält, spielt das keine Rolle. Absolute Schulpflicht sorgt dafür, daß weit und breit niemand einem die Schüler streitig macht.

Sonntagsreden statt Wurzelbehandlung – „Generation abgehängt“

Um Abbrüche an Schulen und Lehrstellen zu bekämpfen, visiert der Staat Zielwerte an und bringt Versagerquoten in Stellung, die es zu halbieren gilt. Genutzt haben die substanzlosen Sonntagsreden – nichts. Markige „Bildungsgipfel“-Rhetorik  und ehrgeizige Bildungsstrategien gelten als gescheitert. Und warum? Weil niemand daran denkt, das Problem an der Wurzel zu behandeln: Ein Monopolist braucht sich um seine Leistungsfähigkeit nicht zu kümmern. Für die Jugend führen noch immer alle Wege auf die Staatsschule. Die Rechnung kommt erst hinterher, zerstörte Bildungsbiografien gelten als hinnehmbare Kollateralschäden.

Zähneknirschend nimmt unsere Bildungsrepublik eine „abgehängte Generation“ zur Kenntnis: Jugendliche ohne Perspektive – Wirtschaftskraft, die brach liegt. Erwartungsgemäß schiebt die Politik den Schwarzen Peter dorthin, wo man händeringend geeigneten Nachwuchs sucht. Doch die Wirtschaft bleibt gelassen,  in diesem Punkt ist sie sich keiner Schuld bewußt. Schließlich kann man vorrechnen: 50 Tausend Jugendliche verlassen pro Jahr ohne Abschluß die Schule, 20 Prozent der fünfzehnjährigen Schüler eines Jahrgangs können nur unzureichend lesen, schreiben und rechnen. Sollen etwa die Betriebe reparieren, was das staatliche Bildungssystem nicht schafft?

Dramatisches Staatsversagen – Konkurrenz beißt man weg

Wie kommt es eigentlich, daß einer von fünfen, denen der Staat seinen „Bildungs- und Erziehungsauftrag“ angedeihen läßt, nach der Schulzeit mit leeren Händen dasteht? Nicht nur an den Hauptschulen hakt es. 800.000 Leute mit höherem oder mittleren Schulabschluß haben nie eine Lehre absolviert. Keiner will es aussprechen, aber alle wissen es: Unser staatsmonopolistisches Bildungssystem produziert zu viel Ausschuß – gleichzeitig beißt man Bildungsalternativen weg.

Doch obwohl wir es mit einem dramatischen Staatsversagen zu tun haben, mit dem Offenbarungseid einer uneffektiven, auf bloßen Machterhalt gepolten „Bildungs“bürokratie, zieht die Karawane einfach weiter. Geistige Spannkraft, die in der Lage wäre, eins und eins zusammenzuzählen und rechtzeitig zu logischen Schlußfolgerungen zu gelangen, fehlt weithin. Dabei wäre es so einfach.

Wenn Eltern sich entscheiden dürfen, wo und wie sie ihre Kinder auf die Zukunft vorbereiten, wenn es echte Alternativen gibt, muß das Staatsschulsystem einem Leistungsvergleich ins Auge sehen. Dagegen wehrt es sich mit Zähnen und Klauen. Man weiß, Wahlfreiheit in Sachen Bildung zwingt, sich etwas einfallen zu lassen, um attraktiver und leistungsfähiger zu werden. Andererseits belegen die Beispiele der Vergangenheit: Jedes System, das um des eigenen Erhalts willen ganze Generationen „abhängt“, hat keine Zukunft mehr. Es ist dann nur ein Frage der Zeit, bis es heißt: „Monopolisten abgehängt“.

3 Kommentar(e) für “Konkurrenzlos versagt das Monopol

  1. Ernst Schrödl
    12. September 2012 at 19:41

    Heute steht in den Nürnberger Nachrichten auf der Titelseite: „Deutschland steht bei der Bildung hinten“ und in engstirniger Paragraphenreiterei ganz vorne, möchte man – in Bezug auf Homeschooling – ergänzen.

  2. Mike Jobs
    12. September 2012 at 07:53

    Dieser Artikel bringt es auf den Punkt, daß unser Schulsystem absolut versagt hat.
    Wo soll das hinführen?

  3. Ernst Schrödl
    10. September 2012 at 20:02

    Ein sehr überzeugender Artikel für jeden, der kein Brett vorm Hirn hat! Vor kurzem ist ein Buch mit dem Titel „Jedes Kind ist hoch begabt“ erschienen. In diesem Buch wird unser gegenwärtiges Schulsystem scharf kritisiert und in Frage gestellt. Vielleicht gelingt es den beiden Verfassern (Prof.Dr.Dr.Gerald Hüther und der Stern-Reporter Uli Hauser), etwas Bewegung in unser starres Schulsystem zu bringen. Dringend notwendig und höchste Zeit wäre es ja.

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