„Dauerhaft“ als Argument

Schulämter sind meist überfordert, wenn sie die Bestrafung von Hausunterricht der Öffentlichkeit vermitteln müssen. Oft erhalten sie Schützenhilfe von desorientierten Medien. In anderen Fällen gehen Behörden lieber gleich auf Tauchstation.

Sehr geehrter Herr Schulamtssprecher XY,

es hat mich beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit Ihr Amt jene Skandalfamilie eingestielt hat, die ihre Kinder zuhause unterrichtet. Geradezu vorbildlich würgen Sie die brandgefährlichen Versuche ab, das staatliche Schulmonopol zu torpedieren. Wo kämen wir auch hin, wenn Eltern selber entscheiden würden, was ihren Kindern zuzumuten ist und was nicht! Wozu haben wir unsere staatlich geprüften Pädagogen?

Allerdings enttäuscht mich die Lahmheit Ihrer Argumentation. Da hätten Sie doch mehr „Butter bei die Fische“ tun sollen, wie der Kölner sagt. Warum benennen Sie nicht konkret den Schaden, den diese Familie verursacht? „Dauerhaft“ scheint Ihre Lieblingsvokabel zu sein. Mit ihr versuchen Sie die Dringlichkeit des Falles zu betonen. Die Presse zitiert Sie damit, daß „dauerhaft das Kindeswohl durch dauerhaften Schulentzug verletzt“ werde. Das Sorgerecht für die Kinder solle „dauerhaft auf einen Betreuer“ übertragen werden, der „dauerhaft sicherstellt, daß die Kinder zur Schule gehen“.

Das macht mich stutzig. Hat das Schulamt, außer „Dauerhaftigkeit“ be- und einzuklagen, keine bessere Begründung, um eine ansonsten unbescholtene Familie zu drangsalieren – und am Ende beim Jugendgericht deren effektive Zerstörung zu beantragen? Zweifellos vorhandene Eltern-Kind-Bindungen sollen ersatzlos gekappt werden – wieso genau? Da haben Sie aber Glück gehabt, daß Sie von tiefergehenden Fragen durch die Medien verschont geblieben sind! Wenn man hätte wissen wollen, warum das Nicht-Atmen öffentlicher Schulluft das Wohl der Kinder verletzt, was hätten Sie da geantwortet? Womit hätten Sie Ihr rabiates Vorgehen gegen ein wertestarkes Familiengefüge gerechtfertigt?

Wenn die Presse sich nicht – anstatt sauber zu recherchieren! – nur an jener Familie und deren weltanschaulicher Ausrichtung abgearbeitet hätte: Sie, Herr XY, hätten ziemlich alt (um nicht zu sagen: nackt) ausgesehen. Mir sind Ihre bürokratischen Zwänge sehr wohl bewußt. Aber das nächste Mal bitte etwas nachdenken, bevor Sie versuchen, Ihnen unliebsame Familien öffentlich loszuwerden!

Mit freundlichem Gruß

1 comment for “„Dauerhaft“ als Argument

  1. Ernst Schrödl
    5. Juli 2012 at 21:30

    Im obigen Artikel geht es unter anderem um den Schaden, den eine Familie, die ihre Kinder nicht zur Schule schickt, dem Staat zufügt. Dazu Folgendes: In Amerika sind es mittlerweile 2,2 Mio. Eltern, die Unterricht by homeschooling praktizieren (s. Anna-Larissa Hippel: „Homeschooling – Ein pädagogisches Modell für Deutschland?“). Nach Prof. Dr. T. Schirrmacher ist Deutschland europaweit das einzige Land, das Hausunterricht (so) stringent verbietet. Demnach richten also nur in Deutschland Eltern Schäden an, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken.
    Nach den bisher veröffentlichten Erhebungen schneiden deutlich über 70 Prozent der Homeschool-Kinder – was Kenntnisse, Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenz anbetrifft – besser ab als Abgänger von staatlichen Schulen und sind auch den Abgängern von Privatschulen deutlich überlegen. Der Schaden existiert also vorwiegend in den Köpfen, die keine Informationen mehr aufnehmen wollen oder können.
    Was das Wohl der Kinder anbetrifft, so möchte ich die Frage stellen, ob denn Mobbing, der Genuß von Drogen, Schutzgelderpressungen, Schulversagen, Schulangst und Schulphobie keine Schäden verursachen? Und wie steht es mit einer Sexualerziehung, die nichts anderes ist als eine Erziehung zur Hurerei? Wer Michael Winterhoffs Bestseller „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ gelesen hat, weiß, daß unsere Schulen, gemessen an ihren eigenen Zielsetzungen, vollkommen versagen.
    Wer ist es, der hier einen Schaden verursacht?

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