Lernen in Freiheit – ein Menschenrecht

Global Home Education Conference –

Eine Bildungskonferenz in Berlin, wie sie gegensätzlicher, leidenschaftlicher und vielseitiger kaum sein konnte, richtete Anfang November ein einheitliches Wort an Regierungen weltweit: „Gebt die Kinder frei!“

Novemberlaub vor dem Konferenzzentrum in Berlin, Ort der ersten internationalen Zusammenkunft für Bildungsfreiheit.

In ihrer gemeinsamen Erklärung forderten Vertreter einer internationalen Bewegung am 3. November 2012 alle Staaten dazu auf, gültige Menschenrechtsverträge gerade auch in punkto Bildungsfreiheit einzuhalten. Gleichzeitig verurteilt diese „Bildungserklärung von Berlin“ die rücksichtslose Bekämpfung von Hausunterricht, wie sie in Industrienationen wie Deutschland und Schweden an der Tagesordnung ist. Das Recht von Eltern, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder selber zu bestimmen, ist demnach an höchster Stelle schwarz auf weiß dokumentiert: Die Bildungsresolution aus dem herbstlichen Berlin belegt ihren Appell mit zahlreichen Auszügen aus internationalen und europäischen Menschenrechtserklärungen. Diesen gemeinsam ist, daß sie auch von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet worden sind.

Bildungspolitisches Querdenken

Rund zweihundert Teilnehmer aus zwei Dutzend Ländern prägten das vielseitige Erscheinungsbild einer „Globalen Konferenz häuslicher Bildung“ am ersten Novemberwochenende in Berlin. Mit einem konzentrierten Programm aus Expertenvorträgen und Arbeitskreisen versuchten die Veranstalter, den zahlreichen Aspekten der Lernalternative jenseits von Schulmauern gerecht zu werden.

Die Erkenntnisse von Politikern, Wissenschaftlern, Pädagogen und Juristen zu ‚Home Education‘ flossen mit den Fragen und Erfahrungen bildungsbewegter Privatpersonen ineinander und formierten sich zu einem Gegenpol zur Kontroll- und Regelungssucht des postdemokratischen Staates.

Zu „bildungspolitischem Querdenken“ rief Patrick Meinhardt in der Eröffnungsansprache der Konferenz auf. Als FDP-Abgeordneter und bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag zeigte Meinhardt Wege auf, wie das „Menschenrecht Bildungsfreiheit“ in Deutschland Raum gewinnen könne. Zugespitzter noch sprach Norbert Blüm (CDU), ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Soziales, in einem Grußwort an die Konferenz von Hausunterricht als dem „heilsamen Stachel gegen die (Be)Herrsucht des Schulregiments“.

Überlegenheit des häuslichen Lernumfeldes

Der kanadische Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld erläuterte lernpsychologische Voraussetzungen für gesundes Wachstum von Kindern, die er in schulischem Umfeld am wenigsten, zu Hause jedoch am ehesten gegeben sieht.

Langzeitstudien und eine Vielzahl anderer wissenschaftlicher Erhebungen legen nach Ansicht des US-amerikanischen Bildungsexperten Brian Ray die Überlegenheit von in häuslichem statt instutionellem Umfeld erworbener Bildung zwingend nahe – unabhängig von Einkommen oder Bildungsgrad der Eltern.

Der Menschenrechtsfrage widmete sich ein Vortrag von Michael Farris, US-amerikanischer Rechtsanwalt und Vorsitzender der weltgrößten Rechtsschutzvereinigung für Hausunterricht. Farris wies anhand internationaler Dokumente und Abkommen nach, daß Staaten, die Hausunterricht unterdrücken, sich den Menschenrechten widersetzten.

„Niemals zur Schule“ war der Musiker, Schriftsteller und Autodidakt André Stern gegangen. Die von ihm verkündeten Grundsätze „Kompetenz vor Qualifikation“ und „Begeisterung als Voraussetzung für Bildungserwerb“ erfordern, daß Freiheit vorhanden ist und Lernzwang nicht – Sterns Werdegang ist lebendiger Beweis dafür, daß Lernen in Freiheit funktioniert.

Ein volles Jahr lang hatte das Gremium aus Bildungsbewegten von fünf Kontinenten die Konferenz vorbereitet, welche Rüstzeug für die Begegnung mit dem totalen Schulstaat lieferte. Der Tendenz von Politik und Bürokratie, die Gesellschaft immer effektiver zu kontrollieren und reglementieren, vermag Bildung zu Hause wirksam Paroli zu bieten. Betroffene und Interessierte mit unterschiedlichsten Hintergründen wurden durch die Veranstaltung gleichermaßen ermutigt und aufgeklärt, Lernen in Freiheit selbstbewußt inmitten allen Gegenwindes zu leben.

Für einen ausführlichen Bericht über die Konferenz verweisen wir auf  THE NEW AMERICAN (englischsprachig); sein Autor ist ebenfalls vor Ort gewesen:  mehr lesen …

1 comment for “Lernen in Freiheit – ein Menschenrecht

  1. Ernst Schrödl
    8. November 2012 at 18:24

    Hoffen wir, daß die Forderungen der Berliner Bildungskonferenz 2012 nicht im herbstlichen Nebel verhallen, sondern Gehör finden bei Gesetzgebern und Justiz.

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