Schulzwang, Newtown und der Tod

Sozialsystem Schule begünstigt “Amokläufe” -

Ein Schulwahnsinniger scheucht unsere Politiker auf. Doch deren Beruhigungspillen „Waffenkontrolle“ und „sichere Schulgebäude“ drücken bloß aus: So lange der Schulhauszwang nicht angetastet wird, ist egal, ob einer an der Lehranstalt mörderisch durchdreht oder nicht.

Über die Maßen traurig ist das Jahresende, das zwei Dutzend Familien in Connecticut, USA, verleben. Ihre Hoffnung, ihr Glück, das Objekt ihrer Liebe und ihres Sich-Kümmerns: Von einem Moment auf den anderen wurde es unwiederbringlich zerstört. Eine grausame, mit kaum etwas zu vergleichende Erfahrung. Sie stößt an die Grenzen dessen, was Menschen an Leid ertragen.

Schonungslos selbstkritisch den Ursachen monströser Gewalt an einer amerikanischen Grundschule nachzuspüren: Das ist die Pflicht derer, die das Schulwesen zu verantworten haben – zuerst in den USA, aber auch bei uns. Viel leichter ist es allerdings, billiges Kapital aus der Katastrophe der anderen zu schlagen. Ein grüner Vorsitzender etwa war schnell dabei, auf dem massenmordenden Gewehrfeuer jenseits des Atlantik sein parteipolitisches Süppchen zu kochen.

Der Schreck sitzt tief, die Bedrohung wirkt real: Einlaßkontrollen, Türschloßsysteme und Kameras könnten Schulgebäude technisch „sichern“, psychologische Schulungen und Frühwarntrainings für Lehrer und Schüler die Lage vorbeugend entspannen. Doch das eigentliche Problem werden auch sie nicht beseitigen.

Stärkerer Zulauf zu Hausunterricht

Da wäre etwa der abnorme, starr gleichschaltende Leistungs- und Wohlverhaltenszwang, dem junge Menschen im künstlichen Gleichaltrigen-Biotop Schule ausgeliefert sind. Er widerspricht dem, was aufwachsende, lebenshungrige, wirklichkeitsorientierte Menschen benötigen. Unentrinnbarer Dauerstreß führt zu angespannten Wechselwirkungen zwischen Lehrern und Schülern und diesen untereinander. Kommen familiäre Probleme und psychische Fehlneigungen hinzu, kann der Topf rasch überkochen.

Im Zusammenhang mit Newtown verzeichnen amerikanische Medien einen deutlich gestiegenen Zulauf zur Bildungsalternative Hausunterricht. Mehr und mehr Eltern nehmen wahr, was für einem Aggressionspotential ihre Kinder an schulischen Anstalten ausgesetzt sind – schließlich ist dort alles möglich. Sie folgen ihrer inneren Stimme, die sie auch zu mehr Verantwortung für die kleinen und großen Schutzbefohlenen mahnt.

Fest steht: Die “Amok”-Opfer würden heute noch leben, wären sie nicht an jenem Tag zu genau der Zeit in genau jenem Gebäude gewesen. Genauso zuverlässig ist jedoch auch der Umkehrschluß: jener Todesschütze suchte aus dem einen Grund die Schule mit Sturmgewehren auf, weil sich dort jene Kleinen tummelten, die massenhaft umzubringen seiner schwerkranken Seele „Entlastung“ versprach.

Wenn die inneren Schranken fallen …

Daher sind nicht Schußwaffen das eigentliche Problem. Vielmehr üben Schulen gewaltige Anziehungskraft auf tötungswillige Menschenungeheuer aus. Das schlimmste Massaker an einer Schule wurde 1927 in Michigan, USA, verübt  – mit Sprengstoff. Jemanden, der einen Massenmord begehen will, werden kaum strengere Waffengesetze aufhalten, sind erst einmal die inneren Schranken gefallen.

Jeder Halt ist weg, blanker Haß darf zum Zuge kommen. Die Verantwortlichen unseres heutigen „Bildungssystems“ sind daran nicht unschuldig. Lehrpläne und –materialien legen beredtes Zeugnis ab vom gigantischen Umbau-Experiment nach dem Motto: “Gott ist tot”. Nächstenliebe und Selbstbeherrschung, Tugend und Moral sind als tragfähige Werte gelingenden Miteinanders ausgemerzt worden. An ihre Stelle trat ein autonomes, amoralisches ‚Anything goes’ – was sich für mich gut anfühlt, ist gut. Fühle ich mich schlecht, lebe ich auch das aus.

Füttert man dann noch psychisch kranke, von jeglichem Glaubens- und kulturellem Rückhalt systematisch “befreite” Personen mit hemmungslosen Gewalt- und pornographischen Darstellungen, die andere kranke Hirne ersinnen, braucht man sich über weitere Gewaltexzesse nicht zu wundern.

Heilige Kuh des deutschen Kultus

“Amok”läufer seien vorher häufig Opfer von Mobbing geworden, läßt sich der Bielefelder Konfliktforscher Peter Sitzer zitieren. Sie sähen sich als ausgestoßene Schüler, die niemand mögen würde. Bei solchen Außenseitern habe sich „eine unglaubliche Wut aufgestaut“. Zwar vermutet Sitzer die Gründe für massenmörderische “Amok”läufe nicht an den Schulen selbst. Die Täter jedoch sähen dort oft die Ursache ihres Leidens: „In der Schule wird die Außenseiterrolle besonders deutlich.“

Daß die Insassen des Sozialsystems Schule kaum in der Lage sind, Außenseiter aufzufangen, diese vielmehr in ihrem Anderssein bestärken und erst recht an den Rand drängen, ist eine Binsenweisheit. So viel zu den “Sozialisierungs”-Leistungen der Anstalt … “Amok”drohungen psychisch und emotional Zukurzgekommener an deutschen Schulen sind weitaus häufiger als bisher angenommen – bis zu 400 sollen es pro Jahr sein, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Alle diese Tatsachen sprechen dem Mühen um schulische “Sicherheit” Hohn. Der absurde Schulanwesenheitszwang ist die heilige Kuh des deutschen Kultus, die nicht ‘reformiert’ werden darf. Elterliche Wahlfreiheit darüber, wo das einzelne Kind seine Bildung erhält – ob im staatlichen Gebäude, ob unterwegs oder daheim –, ließe das Armutszeugnis der staatlichen Anstalten nur noch deutlicher zutage treten. Und das muß verhindert werden, komme, was da wolle.

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