Nichts weniger amerikanisch als das

Berufungsverhandlung im Asylfall Romeike –

In den USA diskutiert man zur Zeit eine juristische Frage, die eng mit dem Schicksal einer nicht-amerikanischen Familie verbunden ist. Dabei wird der Unterschied zwischen den politischen Kulturen diesseits und jenseits des Großen Teiches deutlich.
Michael Farris und Mike Huckabee (Fox News) zum Asylfall Romeike

Michael Farris und Mike Huckabee (Fox News) zu grundlegenden Freiheitsrechten, die die Obama-Regierung infragestellt.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der konkrete Fall deutscher Asylanten: 2010 hatten Uwe und Hannelore Romeike die süddeutsche Heimat erfolgreich gegen das Recht eingetauscht, das Wohl ihrer sechs Kinder selber bestimmen zu können – in Amerika. Genau dieses Recht ist es, das der deutsche Staat ihnen verwehrt. Bis hin zu dem Punkt, ihr Sorgerecht zu entziehen, wenn sie die Blankovollmacht zur staatlichen Kindererziehung nicht ausstellen. Doch machten Romeikes die amerikanische Rechnung ohne den Wirt im Weißen Haus. Dessen Generalstaatsanwalt Eric Holder legte Einspruch gegen den Asylbeschluß ein. Washington will Romeikes zurückschicken, am 23. April 2013 muß erneut verhandelt werden.

Im Traumland der Freiheit liegen die Nerven blank. Obamas Gang zum Kadi überzeugt mehr und mehr Amerikaner davon: „President Awesome“ (engl. = „gewaltig“) liebäugelt mit dem Kollektivismus. Denn entgegen der amerikanischen Verfassung, wonach alle Menschen gleich geschaffen sind, will Obama – so lautet der Vorwurf – durch die Hintertür eine „Gleichheit der Menschengruppen“ einführen. Innere und äußere Freiheit des Einzelnen, sich ausdrückend in Religion, Glaube und Gewissen, spielen dann keine Rolle mehr. Sind sie nicht mehr geschützt, kann der Staat jeden vereinnahmen – und alle Kinder in seine Schulen zwingen.

„Holder vs. Romeike“ im Kampf um Abschiebung

Des Oberjuristen Schnodderigkeit – Holder beteuert, Deutschland tue nichts anderes, als eigene Bestimmungen umzusetzen – alarmiert Amerikas Freiheitsliebende. „Es gibt nichts weniger Amerikanisches“, so der konservative Radio- und TV-Moderator Glenn Beck, „als das, was unsere Regierung gegen diese Familie betreibt.“ Nicht nur für ihn rührt die versuchte Abschiebung der Romeikes am eigenen Selbstverständnis: Das Land der Einwanderer, das politisch und religiös Verfolgten die ersehnte neue Heimat bot – Obama macht den Gründungsmythos zunichte.

Griffig verdichtet die Botschaft „Holder vs. Romeike“ den Kampf um Freiheit in Wort und Bild. Kurzerhand schenkte der Medienmann der Familie 50.000 Dollar für ihre Verteidigung gegen den Einspruch von oben. „Alle Amerikaner sollten den Fall verfolgen“, mahnte Beck im Radiointerview mit Michael Farris, dem Anwalt der Familie.

„Men­schen­rechte stehen und fallen mit dem Wert, den man der Freiheit des Individuums einräumt.“ (Michael Farris)

„Weder das Elternrecht“, so Farris, „noch religiöse Freiheit spielen für diese Regierung eine große Rolle.“ Die von Washington ausgehende Drangsalierung der Familie könnte einen Präzedenzfall schaffen, mutmaßt der erfahrene Kämpe im Streit um Bildungsfreiheit. In einem von Fox News ausgestrahlten TV-Gespräch erläuterte Farris die rechtliche Brisanz: „Men­schen­rechte stehen und fallen mit dem Wert, den man der Freiheit des Individuums einräumt.“

Gruppenrechte vs. Menschenrechte

Sobald Rechte nur noch gewährt werden, wenn man einer bestimmten Gruppe angehört, ist die Freiheit perdu. Daß die Zukunft des Homeschooling in den USA vom Ausgang des Asylkonflikts abhängt, faßt TV-Kom­men­tator Mike Huckabee so zusammen: „Hat Holder Erfolg, wird sich das nicht nur auf Hausunterricht, nicht nur auf Bildung, sondern auf alle Bereiche auswirken, wo es um Freiheitsrechte geht.“

Mit dem Näherrücken der Berufungsverhandlung wächst das Interesse – bislang erst in der amerikanischen Öffentlichkeit. Die hiesigen Medien dagegen – immerhin handelt es sich bei der Familie um „Landsleute“ – üben sich in beredtem Schweigen. Geht es um das Engagement für die individuelle Freiheit anderer, trennt mehr als ein Ozean die Alte von der Neuen Welt.

Desinteressiert zuckt man mit den Schultern. Die Nutznießer der real existierenden Bildungsdiktatur möchten die Peinlichkeit deutscher Homeschooler, die Asyl beantragen, rasch vergessen. Doch davor liegt der 23. April 2013. Ob der deutsche Medienzirkus dieses Mal über ein paar betretene oder besserwisserische Pawlowsche Reflexe hinauskommt? Ob gar ein nachdenklich stimmender Unterton den Zusammenhang zwischen Elternrecht und allgemeiner Freiheit ins Bewußtsein rückt? Bei uns kaum vorstellbar – Amerika ist eben doch anders.

2 Kommentar(e) für “Nichts weniger amerikanisch als das

  1. Ernst Schrödl
    27. März 2013 at 20:57

    Bei uns wird die Neigung zum Kollektivismus meist mit der angeblichen Angst vor der Bildung von Parallelgesellschaften begründet; was aber letztlich auf ein Religionsverbot hinausläuft. Auch die juristischen Scheingefechte (die sich sogar gegen das in der Verfassung verbriefte Recht richten), zielen auf nichts anderes ab. …

  2. Homeschool Dad
    25. März 2013 at 21:25

    Dieser Fall wird von amerikanischen Hausschulfamilien mit größtem Interesse verfolgt. Wird das Gesuch der Romeikes abgelehnt, kann es auch für uns [amerikanische Hausunterrichter] schwieriger werden, auf das Recht der Eltern, unsere Kinder selbst zu erziehen, zu pochen. Obwohl in allen Staaten dieses Recht mehr oder weniger garantiert ist, heißt das nicht, daß es in der Zukunft so bleibt. Mike Farris hat vor nicht langer Zeit dargelegt, daß die „dritte Welle“ von juristischen Attacken auf Homeschooling vor der Tür steht: Nachdem [der Vorwurf] der Verletzung der Schulpflicht (erste Welle) und angebliche Sozialisierungs- und Lerndefizite (zweite Welle) keine dauernden Einschränkungen von Homeschooling erreichte, wird nun versucht, [die Stichhaltigkeit von] religiösen Gründen als Motiv für Hausunterricht zu unterminieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 78 = 85