Papst setzt sich für Hausunterricht ein

Vatikan kritisiert staatliche Indoktrinierung von Kindern –

Man mag zur Katholischen Kirche stehen wie man will: man mag ihre Lehren verwerfen, ihren Ritus ablehnen und ihre Repräsentanten für eine Schaustellertruppe halten. Aber Anfang Mai machte die weltgrößte Einzelkirche sich auf internationalem Parkett rückhaltlos für Hausunterricht stark. English version

Dabei nimmt der Vatikan für sich in Anspruch, knapp ein Fünftel der Weltbevölkerung zu vertreten. So viel Gewicht bringt keine andere Organisation oder religiöse Einrichtung auf die Waage. Und genau diese Institution klagt nun ein, daß Eltern das Recht haben, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Nicht nur das: Staaten sollen die Entscheidung von Eltern zur Bildung und Erziehung ihrer Kinder akzeptieren und alle Versuche, die Kinder zu indoktrinieren, bleibenlassen.

Vor den Vereinten Nationen in New York trug Erzbischof Francis A. Chullikatt als Gesandter des Vatikan vor, Eltern „haben das Recht und die Pflicht, sich für Schulen, einschließlich Hausunterricht, zu entscheiden, und sie müssen die Freiheit besitzen, das tun zu können.“ Weiter heißt es in der Verlautbarung: „Staaten sind aufgerufen, die Freiheit von Eltern zu achten, auch andere Schulen für ihre Kinder zu wählen, als die, die von den Behörden zur Verfügung gestellt werden, um damit sicherstellen zu können, daß die religiöse und moralische Erziehung ihrer Kinder mit ihren [der Eltern] eigenen Überzeugungen übereinstimmt …“

Entwicklung zur staatlichen Zwangserziehung

Seine Forderungen richtete er an kein bestimmtes Land. Dennoch machte der hochrangige Papst-Vertreter ganz klar, wen er meint: „Seit einiger Zeit nehmen wir eine beunruhigende Entwicklung wahr, nämlich die Absicht seitens einiger [Staaten], die Rolle von Eltern bei der Kindererziehung herunterzuspielen“, ließ der Erzbischof sich vernehmen, „so als ob dies nicht die Aufgabe der Eltern, sondern des Staates sei.“

Chullikat bezeichnet haargenau die Situation, in der Bildung und Erziehung sich in Deutschland befinden. Eltern, die ihre Kinder selber unterrichten, anstatt sie staatlicher Obhut anzuvertrauen, wissen ein Lied von der Selbstherrlichkeit staatlicher Stellen zu singen. Diese halten sich notorisch für die „besseren Eltern“, die genau wüßten, was für Kind und Gesellschaft gut sei. Eine derartige Haltung – die bei Unbotmäßigkeit auch gewaltsam umgesetzt wird – kennzeichnet alle, die Aktien im bürokratisch-pädagogischen Komplex halten.

Gegensatz von Freiheit und Zwang

Die Unterdrückung der Bildungsfreiheit in unserem Land ist von einer Zweiheit gekennzeichnet: Einerseits von dem Recht und der Pflicht der Eltern – auf die der Papst hier verweist -, Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen. Dazu ist Freiheit nötig, dieses Recht auch ausüben zu können. Andererseits ist da die Festlegung der deutschen Funktionselite, Wahlfreiheit nicht zulassen zu wollen. Mit legalistischem Wortgeklingel und in Besserwisser-Manier schließen bei uns Politik, Diskurs-„Experten“ und Bürokratie jede Konkurrenz zum Schulgebäudezwang kategorisch aus.

Auch wenn der Vatikan für viele in diesem Land nichts zu sagen haben sollte: Sein Verdienst ist es, einen Gegensatz hell aufleuchten zu lassen, nämlich den von Freiheit und Zwang. In diesen Gegensatz ist die Bekämpfung von Hausunterricht einzuordnen. Der Papst bezieht Stellung für die Freiheit und das Recht. Gleichzeitig verweist er den deutschen Staat in die Gesellschaft von freiheitsfeindlichen Ländern wie Nordkorea oder Kuba. Das tut weh. Verständlich, daß Medien und Politik darüber Stillschweigen bewahren.

3 Kommentar(e) für “Papst setzt sich für Hausunterricht ein

  1. 6. Januar 2015 at 15:53

    SCHULPFLICHT wird in Deutschland total EINSEITIG praktiziert als Pflicht der Eltern, Kinder in die Schule ggf. zu nötigen. SCHULPFLICHT ist aber doch erst einmal die PFLICHT DES STAATES, wirkliche SCHULEN bereitzustellen und nicht LEHRPLANVOLLZUGSANSTALTEN, Unterrichtsabwicklungsinstitute, Einfügungs- und Unterwerfungskasernen. Es geht nicht um LERNEN dabei; es geht darum, sich – wie zu Kaisers Zeiten – durch Unterricht nach unten richten zu lassen. Unterricht richtet nach unten; LERNEN würde die Menschen VORWÄRTS bringen.

  2. Ernst Schrödl
    11. Juli 2012 at 18:07

    Dieser Tage gedenkt man in Ungarn und Österreich des Kardinals Mindszenty. Er verbrachte viele Jahre in kommunistischen Gefängnissen. In einem Nachruf heißt es unter anderem: „Vor allem das neue Schul- und Erziehungsprogramm, das Mindszenty im Frühjahr 1948 in vier Hirtenbriefen scharf verurteilte, wurde zum Konfliktpunkt“. Ich darf befriedigt feststellen: Des Kardinals gedenkt man heute nach so vielen Jahren noch, nicht aber seiner Gegner. So wird man sich auch derer, die sich heute mutig für ihre Rechte (Homeschooling zu praktizieren) einsetzen, mit Stolz und Freude erinnern – ihrer Gegner, der willfährigen Handlanger dagegen wird man sich – peinlich berührt – schämen.

  3. Ernst Schrödl
    4. Juli 2012 at 19:20

    „Deutschland ist europaweit und – eben von eingen Diktaturen abgesehen – weltweit eine Ausnahmeerscheinung mit seinem absoluten und strafbewehrten Verbot jeglichen Hausunterrichts …“ (Prof Dr. T. Schirrmacher). Feststeht, daß dieses „strafbewehrte Verbot“ auf die NS-Zeit zurückgeht. Es sind Gesetze von 1938 und 1941 (Gesetze der Hitlers und Göbbels).
    […]
    Die Schule übernimmt keinerlei Verantwortung, wenn die Kinder den Abschluss einer Schule (oder nur einer Klasse) nicht erreichen und auf der Strecke bleiben. (Dann sollen sich gefälligst wieder die Eltern um ihre Kinder kümmern). Feststeht – man lese dazu Michael Winterhoffs Bestseller: „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ -, daß die Schule vielerorts, gemessen an ihren eigenen Zielsetzungen, vollkommen versagt. Feststeht, daß die Kinder die Hauptbetroffenen und Hauptleidtragenden unserer verfehlten Schulgesetze sind. Ein himmelschreiender Skandal.

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