Schulamt geht leer aus

Verletzte Eitelkeiten von Staatspädagogen –

Politische Erwägungen veranlaßten eine Gesamtschule, einen zuhause gebildeten Schüler abzulehnen, der in die Abschlußklasse aufgenommen werden wollte. Anschließend beantragte das Schulamt die Bestrafung des Jungen wegen Schulversäumnisses. Jetzt beendete ein Amtsrichter kurzfristig den Rechtsstreit.

Dadurch verhinderte das Gericht eine Verhandlung, in der das zweifelhafte Verhalten von Bildungsbeamten, die sich gegen die Aufnahme eines häuslich gebildeten Jugendlichen an ihrer Schule gesperrt hatten, detailliert zur Sprache gekommen wäre. Offiziell ließ das Gericht verlauten, daß es eine „Ahndung für nicht geboten“ halte, da der Jugendliche seinen Schulbesuch nicht gegen den Willen der Eltern habe durchsetzen können.

Das Verfahren gegen den Sohn einer zuhause unterrichtenden Familie in Nordhessen leitete das staatliche Schulamt einen Tag nach Ablehnung des Eilantrags ein, mit dem der Schüler seine Aufnahme in die Abschlußklasse einer staatlichen Schule im letzten Moment hatte erwirken wollen. Zuvor war ihm von der Behörde monatelang eine Antwort auf seinen Schulantrag versagt worden.Der damals 15-Jährige versäume unentschuldigt die Schule, so die Begründung des Amtes, seinem Alter nach müsse er in eine neunte Klasse gehen. Im Gegensatz hierzu war ihm seine Reife zur zehnten Klasse von den betreffenden Stellen wiederholt bestätigt worden. Die in Frage kommende Schule hatte ihm verwehrt, nach nachweislich neuneinhalb Jahren Hausunterrichts im zweiten Halbjahr der zehnten Klasse einer Staatsschule unterrichtet zu werden.

Vorgeschobene Argumente – Lügen im Hintergrund

Nach außen hin argumentierte man, die Gesetzeslage verbiete einen derartigen Wechsel. Tatsächlich jedoch hatte es in den letzten Jahren an der betreffenden Schule insgesamt vier Fälle gegeben, in denen von außerhalb kommende Schüler den Unterricht der Abschlußklasse erst im zweiten Halbjahr antreten konnten – zwei davon waren ältere Brüder des jetzt Beklagten.

Aus Briefwechseln zwischen Schule und Schulamt sowie Sitzungsprotokollen geht hervor, daß Lehrer und Schulleitung unter allen Umständen verhindern wollten, daß erneut ein „Hausschüler“ quasi aus dem Stand erfolgreich die Mittlere Reife erwirbt – ohne hierfür die Lehrtätigkeit der Staatsschule in Anspruch genommen zu haben. Um die Ablehnung des Schülers begründen zu können, war man auch vor Falschaussagen zu angeblichen negativen Auswirkungen des Hausunterrichts in seiner Familie nicht zurückgeschreckt.

Hausschüler müssen mit Behördenwillkür und den verletzten Eitelkeiten von Staatspädagogen leben.

Der Wunsch von Staatspädagogen und –beamten, positive Auswirkungen von Bildung zuhause zu verwässern, erklärt auch, daß man dem Schüler die Aufnahme in eine neunte Klasse wohl einräumte. Der Preis für den staatlichen Anspruch, selber zu bilden, wäre auf ein ganzes Jahr Strafnachsitzen hinausgelaufen. Dies lehnte der betreffende Jugendliche ab. Statt dessen bildet er sich im Elternhaus selbständig fort, um im kommenden Frühjahr in einen außerhäuslichen Studienabschnitt zu wechseln. Es bleibt abzuwarten, welche bürokratischen Hürden man hiergegen in Stellung bringen wird.

5 comments for “Schulamt geht leer aus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

72 − 67 =