Den Schulstaat hintricksen

Zweifelhafte Rechtspraxis kritisiert –

Zum ersten Mal veröffentlicht eine Tageszeitung in Deutschland einen vorurteilsfreien Artikel zur rechtlichen Problematik, Hausunterricht zu kriminalisieren.

In dem Bericht der in Nordhessen beheimateten „Werra-Rundschau“ über Rechtsanwalt Andreas Vogt kommt die Zweifelhaftigkeit einer Rechtspraxis zum Ausdruck, die wiederholt vor internationalen Gremien als Menschenrechtsverletzung gerügt worden ist. Vor über fünf Jahren rief den heute 38-Jährigen eine aufsehenerregende Verurteilung auf den Plan. Mit der erfolgreichen Verteidigung von Eltern, die im Juni 2008 zu insgesamt einem halben Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden waren, begann für den Juristen der Einstieg in die Welt der Bildungsfreiheit. Inzwischen steht er mehreren Familien in ganz Deutschland in ihrer juristischen Bedrängnis zur Seite.

Hinter der Kriminalisierung und Bestrafung von Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, vermutet Vogt reine Angst: Ämter und Gerichte „befürchten einen Dammbruch“ in der ausnahmslos geltenden Schulpflicht. Daher zeige der Staat überall „per Bußgeld, wo der Hammer hängt.“ Auch die Vorurteile, die Hausunterrichtern entgegenschlagen, werden in dem Bericht thematisiert. „Religiöse Gründe“ sind für den Anwalt nicht das Merkmal von Homeschooling. Schließlich gäbe es neben christlich inspirierten Motiven auch die Sichtweise, daß Schule Kasernierung sei, oder aber die grundsätzliche Bevorzugung freiheitlicher Lernmodelle. Hausunterrichter „sind durchgehend bildungsambitionierte Menschen,“ zeigt sich der Jurist überzeugt.

Vorurteile und Widersprüche

Daß bei Hausunterricht die auch als „Sozialisation“ bezeichnete Befähigung der Hausschüler zum Umgang mit anderen nicht zu kurz kommt, kann Vogt in der ganzseitigen Reportage ebenfalls betonen: „Die Erfahrungen mit Kindern, die im Homeschooling unterrichtet wurden, sind ausgesprochen positiv.“ Der Fachmann in Sachen Hausunterricht verweist darauf, daß außerhalb von Schulgebäuden erzogene und gebildete Kinder „über eine außergewöhnlich hohe Sozialkompetenz“ verfügten. Das tritt überall da zum Vorschein, wo diese Kinder und Jugendliche vorurteilsfrei begutachtet werden.

Der Artikel veranschaulicht die ganze Widersprüchlichkeit in dem Bemühen des Staates, unter allen Umständen sein Schulmonopol zu verteidigen. „Wir wollen doch eigentlich eine bunte und pluralistische Gesellschaft“, gibt der Rechtsanwalt mit Blick auf eine häufig verwendet rechtliche Argumentation staatlicher Stellen zu bedenken. Demnach sei Schulzwang notwendig, um „Parallelgesellschaften zu verhindern„.

Auf einer Anfang November in Berlin stattfindenden Konferenz will Andreas Vogt das juristische Problem vor einem größeren Publikum zur Sprache bringen. Für ihn ist klar, daß Behörden und Richter lediglich die sehr eigenwillige Auslegung eines Grundrechtartikels verwenden, um den Schulzwang „hinzutricksen“. Dabei handelt es sich um die Aussage zum Wächteramt des Staates über das Schulwesen. Von einer ausnahmslos geltenden, absoluten Schulanwesenheitspflicht steht im Grundgesetz hingegen weit und breit nichts.

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