Schreckensbild eines jeden Diktators

Wer seine Kinder zu Hause unterrichtet, tut nicht nur diesen einen Dienst, sondern schützt auch die Gesellschaft vor Totalisierungstendenzen. (2. Teil von „Widerstand gegen den totalen Staat“)

Die starke, gesunde Familie läßt sich in geringerem Maße vom Staat beherrschen als vereinzelte, entwurzelte Individuen.

In der Hauptsache waren es totalitäre Staaten, die den Familienzusammenhalt zielgerichtet geschwächt haben, weil eine atomisierte Masse, die der natürlichen sozialen Strukturen entkleidet ist, leichter zu beherrschen ist. Aber auch Demokratien erliegen im Wettbewerb um die Loyalität des Einzelnen, der zwischen Polis und Oikos — wenn auch zumeist unbewußt — immer ausgetragen wird, leicht der Versuchung, die Familie zu schwächen und ihre Verantwortung zu beschneiden, um die staatliche Einflußsphäre auszudehnen.

Der starke, gesunde Oikos ist das Schreckensbild jedes Diktators. Vereinzelte, entwurzelte Individuen sind hingegen leicht und ohne die Gefahr größeren Widerstandes zu beherrschen. So ergibt sich das Paradoxon, daß die extrem freiheitsfeindlichen Diktaturen des 20. Jahrhunderts ausgerechnet durch die Freiheitsbestrebungen der Aufklärung begünstigt wurden, welche die Oikos-Ebene geschwächt und den Individualismus gestärkt haben.Das heutige Menschenbild betont neben der staatlichen Autorität in sehr starkem Maße die Individualität des Menschen. Die Verantwortung, die früher im Familienverband konzentriert war, wird auf die Einzelperson verlagert, der im Gegenzug ein hohes Maß individueller Freiheit zugestanden wird, deren Grenzen nun nicht mehr die patriarchale, sondern die staatliche Ordnung setzt.

Entmachtung der Familie beseitigt wirksame Gewaltenteilung

Wo aber der familiäre Verantwortungsrahmen schrumpft, wird in aller Regel der Staat das entstehende Machtvakuum ausfüllen. Zwar ist das Patriarchat eines der Lieblingsfeindbilder der Moderne, aber keine patriarchalische Struktur hat je solche Verwerfungen anrichten können wie die neuzeitliche Symbiose aus Individualismus und starkem Staat, schon allein deshalb, weil der Einflußbereich eines jeden Patriarchen enge natürliche Grenzen hat.

Und selbst die demokratische Gewaltenteilung, welche die schlimmsten Wucherungen staatlicher Totalität beschränken soll, ist bei weitem nicht so effektiv wie die natürliche Gewaltenteilung durch die Stärkung der mittleren, der familiären Gesellschaftsebene. Strenggenommen leidet diese vielbeschworene demokratische Gewaltenteilung an einem unheilbaren Konstruktionsfehler:

Denn die Teilung der Macht zwischen Legislative, Exekutive und Judikative ist nur eine Aufteilung der Macht zwischen verschiedenen staatlichen Organen. Der Staat teilt sich seine Macht also mit sich selbst. Sicher ist dies immer noch besser als eine offene Diktatur, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die eigentlich wirksame Gewaltenteilung, nämlich die zwischen Staat und Familie, zwischen Polis und Oikos, durch die Entmachtung der Familie beseitigt wurde.

Beseitigung der Ordnungsmacht Familie führt zum totalen Staat

Dies sieht auch der Nürnberger Staatsrechtler Prof. Dr. K. A. Schachtschneider so, der in seinem Aufsatz »Rechtsproblem Familie« die Verstaatlichung der Familienverhältnisse, die rechtliche Aufspaltung der Familienmitglieder zu einzelnen Rechtssubjekten und die Beseitigung der Ordnungsmacht der Familie als Gründe für eine Entwicklung hin zum totalen Staat benennt. Inzwischen kann, so Schachtschneider, der Staat seinem Auftrag zum Schutz der Familie schon deshalb nicht mehr nachkommen, weil er gar nicht mehr weiß, was eine Familie ist.

Aber nicht nur der weltliche Staat, auch viele Christen haben sich inzwischen mit dem individualistisch geprägten Menschenbild der Aufklärung angefreundet. Mit dem patriarchalisch verfaßten Oikos, der das Menschenbild der Bibel bestimmt, können sie nicht mehr viel anfangen. Dabei betrifft die fortschreitende Entmachtung des Oikos alle Lebensbereiche: Wirtschaft, Sicherheit, soziale Verantwortung und besonders auch Bildung.

Fortsetzung: „Zuständig für alle und alles“ (Teil 3 und Ende)

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