Weltanschauliche Apartheid überwinden

Ein oft geäußerter Vorwurf an deutsche Ämter, Gerichte und Politik, in Sachen Bildungsfreiheit nicht über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, trifft bedauerlicherweise auch die Hausunterricht-Szene.

Solange sie sich nicht auf gemeinsame Schnittmengen besinnen, haben hiesige ‚Homeschooler‘ nicht allzu viel, das sie Erziehungsbevormundern und Bildungsdiktatoren entgegensetzen können. Grob gesehen umfaßt die heterogene Gruppe deutscher  Hausunterrichter bekennende Christen einerseits und alternative Atheisten andererseits. Aus ganz ähnlichen Gründen sehen sie im deutschen Bildungsmonopol keine Option: Statt staatlicher Indoktrination individuelle Instruktion – zu wertvoll sind ihnen die eigenen Kinder, als daß sie Fremde über sie bestimmen lassen wollen. Durchsetzen gegenüber dem Staat konnten sich dabei weder die einen, noch die anderen.

Geschichte und Traditionslinien, die in den USA Hausunterricht gestatten, mögen andere als bei uns sein. Doch ließe sich die Lektion, wie es jenseits des Teiches zum Durchbruch von Bildungsfreiheit kommen konnte, auch bei uns umsetzen: weltanschauliche Apartheid überwinden, Trennendes um der Sache selbst willen zurückstellen, pragmatisch und zielführend zusammenarbeiten. Das jedenfalls war das Rezept, mit dem es in den achtziger Jahren der Homeschool-Bewegung gelang, das Recht auf Hausunterricht in der Gesetzgebung amerikanischer Bundesstaaten zu verankern – nachdem Bildungsfreiheit zunächst hart bekämpft worden war.

Noch immer leisten sich in Deutschland die zwei Hausunterricht-Flügel den Luxus, Lagerdenken zu pflegen, sich mißtrauisch, feindselig gar, zu beäugen und meist wenig miteinander zu tun zu haben. Glücklicherweise sehen andere die Dringlichkeit, deutschen Hausunterrichtern unter die Arme zu greifen. Hier stimmt das Klischee: Während wir ideologisieren, krempeln Amerikaner – aber nicht nur diese – die Ärmel hoch und setzen sich kreativ ein. Diesmal für die Bildungsfreiheit: Auch in Deutschland.

Jüngstes Beispiel hierfür ist ein kurzer Film, der für Unterstützung einer Konferenz in Berlin wirbt: Die Global Home Education Conference vom 1.-4. November 2012. Das Video (2,5 Min.) sei allen Verfechtern der Scheuklappen-Strategie, die das gemeinsame Anliegen Bildungsfreiheit ignoriert, wärmstens empfohlen: Es gibt sie, die das größere Bild im Auge haben.

Hier die deutsche Übersetzung des Filmtextes:

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