Zuständig für alle und alles

Wer seine Kinder zu Hause unterrichtet, tut nicht nur diesen einen Dienst, sondern schützt auch die Gesellschaft vor Totalisierungstendenzen (Teil 3 von „Widerstand gegen den totalen Staat“)

Angefangen bei der Betreuung der Jüngsten, will „Vater Staat“ alles regeln – Eltern, die ihre ursprünglichen  Aufgaben ausüben, behindert und bremst er gezielt aus.

Im ökonomischen Bereich steht heute zumeist das proletarisierte Individuum übermächtigen Konzernen gegenüber. Diese schließen sich zu immer größeren Einheiten zusammen und setzten die Regeln des Wirtschaftens einseitig fest. Der Familienbetrieb, jahrtausendelang das vorherrschende Element einer kleinteiligen Volkswirtschaft, in der viele Akteure einander auf Augenhöhe begegnen konnten, verliert immer mehr an Bedeutung.

Die sozialen Probleme, die sich aus Proletarisierung und familiärer Entwurzelung des Einzelnen ergeben, versucht wiederum der Staat zu lösen. Von der Wiege bis zur Bahre bietet er sich als Ersatzvater an, der alles regelt: Die Betreuung der Jüngsten, die Ausbildung der Heranwachsenden, die Pflege der Kranken, die Ernährung der Armen, die Versorgung der Alten — überall ist der Staat zur Stelle und überdehnt sich damit doch hoffnungslos selbst — bis hin zu seinem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Grenzen zwischen einem sozialen und einem sozialistischen Staat sind dabei fließend.

Totaler Schul- und Erziehungsstaat

Besonders Bildung und Erziehung der künftigen Staatsbürger ist diesem »väterlichen Staat« ein Anliegen, das er nur ungern den Familien überläßt. Schon Plato und Aristoteles sahen den Staat als »Vater« und wollten die Erziehung der Kinder den Familien entreißen. Ab dem zwanzigsten Jahrhundert ist ihre giftige Saat schließlich zur Reife gelangt.

Lenin äußerte gegenüber der deutschen Feministin Clara Zetkin: »Wir machen Ernst mit unserer programmatischen Forderung, die wirtschaftlichen und erzieherischen Funktionen des Einzelhaushaltes der Gesellschaft zu übertragen

Wollt ihr den totalen Staat – totaler, als ihr ihn euch heute vorstellen könnt?

1930 schrieb Vladimir Sensinow in seinem Buch »Die Tragödie der verwahrlosten Kinder Rußlands«: »Es gilt, die Kinder von dem rohen Einfluß der Familie zu befreien. Wir müssen sie verstaatlichen. Von den ersten Lebenstagen an werden sie unter dem segensreichen Einfluß der Kindergärten und Schulen stehen. Die Mutter zu bewegen, uns, dem Sowjetstaat, das Kind zu überlassen, das soll unsere praktische Aufgabe sein.«

Adolf Hitler sagte 1937: »Heute beanspruchen die Volksführung wir, das heißt, wir allein sind befugt, das Volk als solches — den einzelnen Mann, die einzelne Frau — zu führen. Die Lebensbeziehungen der Geschlechter regeln wir. Das Kind bilden wir!«

Und der SPD-Generalsekretär Olaf Scholz verkündete 2002 im Deutschlandfunk: »Die Regierung will mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung eine ›kulturelle Revolution‹ erreichen. Wir wollen die Lufthoheit über unseren Kinderbetten erobern!«

Hausunterricht trotzt Entkernung der Familie durch den Staat

So radikal diese Aussagen in dieser Bündelung erscheinen, sind sie doch längst alltägliche Realität geworden, und auch die meisten Christen akzeptieren klaglos, daß zum Beispiel in Deutschland die Entscheidung, ob man seine Kinder selbst unterrichtet, einen Hauslehrer beschäftigt oder sie in eine öffentliche Schule schickt, nicht mehr in der Hand derer liegt, die doch vor Gott Rechenschaft für diese Kinder ablegen müssen.

Nicht nur das: Eltern, die hier den steinigen Weg des Heimunterrichts beschreiten, wird oft vorgehalten, daß man doch schließlich »dem Kaiser geben müsse, was des Kaisers sei«. Dabei wird regelmäßig darüber hinweggesehen, daß Jesus hier von Geld geredet hat, nicht aber von unseren Kindern.

Tatsächlich leisten Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten, nicht nur einen wichtigen Dienst an diesen selbst, sondern auch an unserer Gesellschaft: An ihrem Platz stellen sie sich der Tendenz entgegen, den Oikos bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu entkernen. Sie entziehen sich dem Anspruch des Staates, sich für alle Lebensbereiche zuständig zu erklären und wirken damit seiner Totalisierung entgegen. Und dafür sollte man ihnen auch dann dankbar sein, wenn man selbst einen anderen Weg geht.

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